Das Thema Gebrauchtkauf verursacht bei vielen Menschen Bauchweh. Es gibt ein paar Grundregeln die du dabei beachten musst um keinen gravierenden Fehler zu machen.

Grundsätzlich empfehlen wir den Kauf nur über einen souveränen Händler. Diese bieten oft eine Garantie auf ihre gebrauchten Fahrzeuge. Hier kann man sich auch drauf verlassen, dass das Bike schon vom Händler aus eigenem Interesse ordentlich geprüft wurde. Falls es aber doch mal ein Privatkauf sein soll, weil du dir eventuell Kosten sparen möchtest, dann mache einen genauen Check und lass dich keinesfalls vom Verkäufer stressen mit den Standard-Floskeln:

Es gibt schon 3 weitere ernsthafte Interessenten, einer davon würde es heute gleich holen“

Das solltest du mit im Gepäck haben:

  • Taschentücher
  • Handschuhe
  • Taschenlampe

1. Gehe nicht alleine

Nimm dir einen Kumpel oder jemanden mit der genau wie du Motorrad begeistert ist und sich im besten Fall auch noch gut auskennt. 4 Augen sehen mehr als 2.

2. Papiere

Lasse dir gleich alle Papiere zeigen, ob das Motorrad regelmäßig beim Service war, TÜV Bescheinigungen, Rechnungen von Werkstätten usw. Nur wenn alles da ist kannst du dir das Bike weiter ansehen. Wenn nicht – DANKE und tschüss! Sind gewisse Teile nachträglich eingebaut worden? Sind diese Original? Sind diese eintragungspflichtig? Wer hat sie eingebaut? Gibt es Nachweise? Lasse dir hier alle nötigen Infos geben. Überprüfe jegliches Zubehör auf E-Prüfzeichen um dir Probleme mit dem Gesetz zu ersparen.

3. Sichtungs-Test: Der erste Eindruck zählt

Der erste Eindruck sagst schon sehr viel über das Fahrzeug aus. Wie sieht das Motorrad generell aus? Ist es gepflegt? Gibt es Lackschäden? An klassische Stellen wie der Spiegelrand oder unter dem Sitz kannst du oft den Pflegezustand des Motorrads erkennen. Den Klassiker den du checken solltest: Den Zustand der Gabel unten. Oft wird nach einem Sturz alles rundherum erneuert, nur auf der Gabel bleiben Schleifspuren zurück. Checke die Maschine auf Sturz- oder Umfallspuren und wenn du etwas entdeckst, lasse sie dir gründlich erklären. So kannst du einen eventuellen Umfall aufdecken.

4. Verschleißteile checken

Kettenrad: Sind die Kettenzähne am Kettenrad hinten in einem guten Zustand? Wenn diese nämlich schon ausgewaschen sind, ist ein neuer Kettensatz bestimmt bald fällig. Wie ist die Kettenspannung? Die Kette soll eine gleichmäßige Spannung, und keine steifen Kettenglieder haben. Durch Wegziehen der Kette am Kettenrad oder am Indikator an der Schwinge kannst du die Spannung prüfen.

5. Check Vorne – Kleine Schäden können hohe Kosten bedeuten

Gabel, Federbein, Lenkkopflager und Radlager solltest du genau unter die Lupe nehmen.
Drücke die Gabel 3-4x fest in die Federn. Sollte hier Öl austreten, sind sehr wahrscheinlich die Gabel-Simmerringe undicht. Prüfe das Lenkkopflager indem du das Motorrad aufbockst, und bei entlastetem Vorderrad den Lenker von Anschlag zu Anschlag bewegst. Hier sollst du kein Einrasten spüren in der Mittelposition.

6. Check Hinten

Scheiben, Beläge, Flüssigkeiten und Leitungen prüfen. Sind die Leitungen porös? Sind irgendwo Flecken? Die Bremsscheiben kontrollieren. Sie sollten glatt sein keine Riefen vorweisen. Ein leichter Flugrost ist nach langem Stehen im Freien normal, und sollte nach ein paar Fahrten vollständig verschwinden.

7. Motor

Prüfe den Motor auf Undichtigkeiten – Ist irgendwo ein leichter Ölfilm drauf? Wische mit einem Tuch mal entlang ob es eventuell Ölrückstände gibt. Es muss unbedingt alles trocken sein.

8. Reifen

Checke das Reifenprofil (1,6mm) und den Zustand der Reifen auf Verschleiß an den Indikatoren. Die Reifen sollten nicht älter als 5 Jahre sein. Die vierstellige DOT-Nummer kannst am Reifenrand verrät dir das Alter des Reifens. Z.B. 1718 würde bedeuten, dass die Reifen in der 17. Kalenderwoche des Jahres 2018 produziert wurden. Falls diese schon alt sind oder nicht mehr Top in Schuss, dann verhandle dir im Preis neue Reifen aus, denn davon hängt deine Sicherheit ab!

TIPP: Greife auch auf den Motor, ob er vorher nicht warmgefahren wurde. Hier kannst du dann den Kaltstart prüfen, ob das Motorrad sauber anläuft. Entsteht extremer Rauch?

Wenn diese Checks alle positiv waren, dann geht’s los auf die erste Probefahrt.

Achte hier nochmal genau auf das Fahrzeug:

  • Gibt es während der Fahrt komische Geräusche von sich?
  • Wie spricht der Motor an, gibt es ein Ruckeln beim Beschleunigen?
  • Lässt sich das Lenkrad leichtgängig bewegen?
  • Funktionieren alle Lichter, Blinker, Anzeigen der Armaturen und das Bremslicht?

VERGISS NICHT– Kühlen Kopf bewahren!

Wenn der Zustand oder der Preis nicht genau das ist was du dir erwartet hast, oder dir das Motorrad live doch nicht so gut gefällt – Denk daran, dass du immer noch gehen kannst oder nochmal eine Nacht darüber schlafen kannst. Verkäufer setzen dich oft unter Druck oder stressen bei der Entscheidung. ABER: Lass dir Zeit und treffe keine voreilige Entscheidung- sonst hast du statt einem Top-Motorrad schnell mal ein kohlefressendes Monster in der Garage stehen.

Hier Checkliste kostenlos herunterladen >
Na dann kann ja nichts mehr schiefgehen! Viel Glück und Spaß mit deinem neuen Motorrad!  🙂